Interview mit dem verstorbenen Hauptmann und Ehrenkommandanten Bacher Karl

W.: Herr Bacher, wann und aus welchen Gründen sind Sie der Feuerwehr von Sterzing beigetreten?

Bacher: Ich bin im Jahre 1944 und somit in den letzten Kriegsjahren der Feuerwehr beigetreten. Gerade in dieser Zeit konnten wenige Mitglieder der Feuerwehr in Sterzing bleiben und deshalb wollte auch ich als Helfer tätig werden.

W.: Was können Sie über das Feuerwehrwesen zur Zeit des II. Weltkrieges sagen?

Bacher: Die Feuerwehr Sterzing (Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr) musste in den Kriegsjahren vor allem während feindlichen Flugzeugangriffen in Bereitschaft sein. Die Feuerwehr hatte den sog. Luftschutzdienst zu leisten. Die Bevölkerung, Deutsche oder Italiener, schätzte deshalb die Feuerwehr sehr. Sterzing war Gott sei Dank nie Ziel der feindlichen Flugzeugangriffe. Von strategischer Bedeutung waren jedoch die Eisenbahnbrücke bei Sprechenstein, das Munitionslager bei Stilfes oder die Flak in Thuins. Oft verfehlten die Bomben, darunter auch Brandbomben, ihr Ziel und schlugen mitten in den Dörfern ein. Auch hier leistete die Sterzinger Feuerwehr Hilfe, da die Dorffeuerwehren damals noch denkbar schlecht ausgerüstet waren. Zur Hilfe eilte die Feuerwehr aber auch dem Feind, z. B. wenn die Flak einen Bomber abgeschossen hatte.

W.: Während Ihrer Zeit als aktiver Feuerwehrmann, welches waren die wohl denkwürdigsten Neuerungen im Feuerwehrwesen?

Bacher: Nach den Jahren des II. Weltkrieges hat das Feuerwehrwesen eine sehr rapide Entwicklung durchlebt. Allein im Bereich der Fahrzeuge gab es bahnbrechende Neuerungen, wie z. B. das Tanklöschfahrzeug oder die Drehleiter. Aber auch was die persönliche Ausrüstung jedes Einzelnen angeht, hat sich sehr viel verändert. Heutzutage verfügt jeder Feuerwehrmann über eine, dem Anforderungen entsprechende Uniform und über einen soliden Stahlhelm. Früher besaßen die Feuerwehrmänner nur eine minderwertige Schutzkleidung. Zu erwähnen wäre in dieser Hinsicht auch die Versicherung, welche das Land Südtirol seit etwa 1970 jedem Feuerwehrmann stellt. Bei Verletzungen oder Todesfällen während Einsätzen oder Proben wird ein entsprechender Betrag ausbezahlt. Meiner Ansicht nach ist diese Versicherung von großer Bedeutung, da in Südtirol ca. 13.000 Männer und Frauen im Feuerwehrdienst unentgeltlich ihre Gesundheit für andere aufs Spiel setzen.

Nennenswert sind auch die neuen Synthetik – Schläuche, welche die Schläuche aus Hanf ersetzten. Hanfschläuche mussten nach jedem Einsatz gereinigt und getrocknet werden, was sehr arbeitsintensiv war. Zudem gingen die Hanfschläuche viel leichter kaputt.

Neuerungen gab es auch im technischen Bereich. Das Rüstfahrzeug der Feuerwehr Sterzing war seinerzeit das modernste in ganz Südtirol. Es verfügt über Atemschutzgeräte, hydraulischem Bergegerät, Hebekissen und anderem Gerät und ist vor allem für den Einsatz auf der Straße ausgerüstet.

W.: Was können Sie zurückblickend zur Entwicklung der Feuerwehr Sterzing sagen? Ist sie durchwegs positiv zu bewerten, oder stellen Sie Mängel fest?

Bacher: Die Entwicklung der Feuerwehr ist sicherlich sehr positiv zu bewerten. Gehemmt wurde diese Entwicklung allerdings durch den Mangel an finanziellen Mitteln, vor allem nach dem Krieg. Weder die Bevölkerung noch das Land oder die Gemeinde hatten damals das Geld der Feuerwehr Unterstützung zukommen zu lassen.

W.: Hatten Sie jemals Zweifel, dass die Entscheidung, Mitglied der Feuerwehr zu werden, die richtige war?

Bacher: Nein, mich hat stets der Dienst für die Feuerwehr gefreut. Von Bedeutung waren für mich vor allem die gute Kameradschaft und der Zusammenhalt, welche auch durch gemeinsame Fußballspiele oder Ski- und Rodelrennen gestärkt wurden.

W.: Welcher Einsatz ist Ihnen am besten in Erinnerung geblieben und warum?

Bacher: Besonders in Erinnerung geblieben sind mir zwei sehr tragische Einsätze. Beim Brand eines Bauernhofes kamen wir zu spät und konnten nichts mehr vor den Flammen retten. Das ganze Hab und Gut einer Familie, der gesamte Viehbestand eingeschlossen, fiel dem Feuer zum Opfer. Ähnliches ereignete sich bei der Mautstelle Sterzing. Hier stand ein Auto in Flammen. Die Familie konnte sich nicht aus dem Fahrzeug befreien und musste armselig verbrennen. Es waren dies Einsätze, die einem nachts nicht schlafen ließen. Es waren aber auch Einsätze die neuen Anreiz gaben, um besser und schneller zu werden, um solche Geschehnisse in Zukunft zu vermeiden. Unvergesslich bleibt sicher auch der längste Einsatz meines Lebens, als 1951 fast der gesamte Wald am Maulser Berg brannte. Acht Tage und Nächte lang waren die Feuerwehren des Bezirkes im Einsatz und konnten dem Feuer trotzdem keinen Einhalt gebieten. Gelöscht hatte den Brand der Regen, welcher am 8. Tag einsetzte.

W.: Wie sehen Sie die Zukunft der Feuerwehr?

Bacher: Ich denke, dass die Entwicklung des Feuerwehrwesens seinen Höhepunkt erreicht hat. Man besitzt heutzutage optimale Geräte und Fahrzeuge. Jedes Dorf verfügt über eine kleine aber gut ausgerüstete Feuerwehr. Südtirols Feuerwehren haben im Vergleich zu den bereits weit fortgeschrittenen österreichischen Feuerwehren nach dem Krieg stark aufgeholt, um nicht zu sagen, sie überholt. Ich möchte aber auch für die Zukunft betonen, dass nicht nur das Gerät, sondern auch die Kameradschaft eine große Rolle für den optimalen Ablauf der Einsätze spielt.

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