Jüngere Vergangenheit
1975 war das Jahr des 100-jährigen Gründungsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr von Sterzing. Nach langen und mühseligen Vorbereitungen konnte ein reichhaltiges Festprogramm geboten werden. Am Samstag den 5. Juli begann gegen Abend ein Zeltfest am Nordparkplatz. Um 21.00 Uhr marschierte ein Fackelzug durch die Alt- und Neustadt. Daraufhin folgte um 22.00 Uhr ein großes Feuerwerk. Am Sonntag begab man sich gemeinsam mit Feuerwehrabordnungen aus ganz Südtirol aber auch aus Österreich gemeinsam zum Gottesdienst. Hier wurden die beiden neuen Tanklöschfahrzeuge sowie eine neue Fahne geweiht. Darauf folgten zahlreiche Ansprachen von Bürgermeister, Kommandant und anderen Persönlichkeiten.
Die Genehmigung zum Bau der neuen Feuerwehrhalle erfolgte 1981. Noch im November desselben Jahres wurde mit der Bautätigkeit begonnen. Die Halle besteht aus zwei Stockwerken, dem Keller und dem Erdgeschoss. Weiters verfügt sie über einen angeschlossenes Wohn- und Verwaltungsgebäude. Die Finanzierung des Bauvorhabens erfolgte größtenteils durch Landesbeiträge sowie mit einem Darlehen der Depositenkasse. Eingeweiht wurde die neue Halle gemeinsam mit der Drehleiter anlässlich der 110-jährigen Jubiläum im Juni 1985. Im neuen Feuerwehrheim wurden zahlreiche Festgäste sowie Abordnungen von verschiedenen Wehren empfangen. Dekan Josef Moroder zelebrierte einen Festgottesdienst und segnete anschließend die neue Halle und das Leiterfahrzeug. Während des darauffolgenden Frühschoppens konnten die neue Feuerwehrhalle sowie das gesamte Gerät der Feuerwehr besichtigt werden. Die Freude der Feuerwehrmänner wurde aber bald durch heftige Regenfälle im Monat August getrübt. Der Eisack drohte über die Ufer zu treten und so rückte am 6. August die Feuerwehr aus, um Dämme aus Sandsäcken zu errichten. Nach kurzer Entspannung der Lage trat vier Tage später der Vallerbach über die Ufer und vermurte den nördlichen Teil der Stadt.
1989 hatten einige Feuerwehrmänner eine neue Finanzierungsidee. Es wurde ein Kalender erstellt, der dann von den Kameraden verkauft wurde. Diese Aktion erfreute sich großer Beliebtheit bei der Bevölkerung und ist auch heute noch aktuell. Die Erlöse dienen zur Deckung verschiedenster Kosten.
Neben den Einsätzen erfolgten auch in jüngster Zeit immer wieder Proben und Übungen. Nennenswert war hier die großangelegte Herbsthauptübung 1989. Angenommenes Brandobjekt war der Braunhof in Raminges. Unterstützt von den Wehren von Thuins und Telfes musste Wasser vom Eisack über 420 Höhenmeter den Berg hinaufgepumpt werden. 76 Mann postierten fünf Pumpen und verlegten 86 B–Schläuche, damit die beiden Tanklöschfahrzeuge vor Ort unverzüglich mit Wasser versorgt werden konnten. Bereits am nächsten Tag machte sich diese Übung bezahlt, da man bei einem Stadelbrand in Ried zwei lange Zubringerleitungen legen musste.
Neben den zwei jährlichen Hauptübungen erfolgen monatlich kleinere Übungen. Intensiviert wird das Training bei den Herbst- und Frühjahrsproben. Hier wird an jeweils vier Tagen ausgiebig geprobt. Weiters wird jährlich eine Seilbahnübung bei der Rosskopfseilbahn geprobt. Hier werden Freiwillige aus den Gondeln befreit, abgeseilt und eventuell ärztlich versorgt.
1990 erfolgte die Einweihung zweier neuer Fahrzeuge. Es handelte sich hierbei um ein Kleinrüstfahrzeug sowie um ein Chemiefahrzeug. Das Kleinrüstfahrzeug ist ein Jeep der Marke Land Rover. Es verfügt über Batteriebetriebene Rettungsgerät, Hebekissen sowie weiterer verschiedener Bergeausrüstung. Der Einsatzbereiche dieses Fahrzeuges sollten vor allem unzugängliche Stellen sein, an welche die Anfahrt mit dem großen Rüstfahrzeug nicht möglich ist. Dieses Fahrzeug hatte sich aber auch bei sonstigen Einsätzen bewährt, da es durch seine Kompaktheit wendiger ist und schneller vorankommt. Das Chemiefahrzeug wurde vor allem durch die zahlreichen Zwischenfälle am Brenner notwendig. Hier traten immer häufiger gefährliche chemische Substanzen aus den Kesselwagen der Güterzüge aus. Im Fahrzeug finden wir Vollkörperschutzanzüge, Atemschutzgeräte, Pumpen zum Umfüllen von flüssigen Ladungen, sowie zahlreiche andere, für den Chemieeinsatz unverzichtbare Geräte. Die Feuerwehr Sterzing verfügte nun über ein Fahrzeug, wie es außer die Freiwillige Feuerwehr Meran und die Berufsfeuerwehr in Bozen keine andere Feuerwehr in Südtirol besaß.
Ein Jahr später musste die Feuerwehr von ihrem langjährigen Kommandanten, Bezirkspräsident sowie Ehrenkommandant Karl Frick das letzte Geleit geben. Er war wohl das bedeutendste Mitglied der Feuerwehr in der Nachkriegszeit, so hatte er über 14 Jahre die Wehr als Kommandant geleitet, aber viele Jahre mehr die Wehren des ganzen Bezirkes und des Landes Südtirol, als Bezirkspräsident und Mitglied des Landesverbandes, geprägt.
Ein erfreuliches Ereignis gab es 1993, als einer der alten Tankwagen ausgetauscht wurde. Die 1. Gruppe erhielt nun ein Tanklöschfahrzeug mit Doppelkabine, Allradantrieb und einem 5.000-Liter-Tank.
Zwei Jahre später wurde die Drehleiter ausgetauscht und durch eine neue, ebenfalls 30 Meter hohe Leiter ersetzt. Die neue Leiter wurde nach dem technischen Stand gebaut und entspricht den erforderten Ansprüchen.
1995, wurde Heidegger Peter zum Nachfolger des damaligen Kommandanten Eisendle Johann gewählt.
1996 war ein besonderes Jahr für die Wehr. Vom 28. bis zum 30. Juni wurden in Sterzing der 14. Landes-Feuerwehr-Leistungsbewerb sowie der 20. Landes-Feuerwehr-Jugendbewerb abgehalten. In der Sportzone von Sterzing stellten zahlreiche Feuerwehrmänner und auch Frauen ihr Können, Geschick und Schnelligkeit im Umgang mit den Feuerwehrgeräten unter Beweis. Ca. 5.000 Florianijünger waren zu diesem Anlass aus Südtirol, Österreich und Deutschland angereist. Sterzing war bei den Wettkämpfen nicht vertreten, doch dies sollte sich noch in den nächsten Jahren ändern. Im Dezember des selben Jahres wurde eine Feuerwehrjugendgruppe ins Leben gerufen. Hier lernen Kinder ab dem zwölften bis zum siebzehnten Lebensjahr den Umgang mit den Feuerwehrutensilien. Weiters soll hier auch der Sinn für Kameradschaft gefördert werden, da die Jungmänner nur in der Gruppe die Aufgaben der Wettbewerbe meistern können. Allein beim Wissenstest zählt nur die Fachkenntnis des Einzelnen. In der Jugendgruppe werden die Jugendlichen somit auf ein späteres Leben als Feuerwehrmann vorbereitet und in das Feuerwehrwesen eingeführt. Die Feuerwehrjugendgruppe übernimmt deshalb auch die Funktion der Nachwuchssicherung.
Im Jahre 1999 wurde das alte Löschfahrzeug, das nicht mehr den Sicherheitsstandards entsprach, ausgetauscht wurde. Seit 1999 steht auch die erste Feuerwehrfrau von Sterzing im Dienste der Allgemeinheit. Es haben zwar während des II. Weltkrieges auch Frauen den Feuerwehrdienst ausgeübt, dies aber nur, da es zuwenig männliche Mitglieder gab.
Das Jahr 2000 stand voll im Zeichen des 125-jährigen Bestandjubiläums. Die Feierlichkeiten dauerten vom 26. bis zum 28. Mai. Den Höhepunkt bildete wohl der Umzug durch die Stadt. Alle Fahrzeuge der Sterzinger Wehr sowie historische Gefährte, die größtenteils von auswärts kamen, fuhren durch die Stadt. Daraufhin ließ man das Fest gemütlich ausklingen. Man konnte nun voller Stolz auf eine 125-jährige erfolgreiche Vereinstätigkeit zurückblicken.
2002 bekam die 2. Gruppe ein neues Tanklöschfahrzeug, da der alte Tankwagen einem Motorschaden hatte.
Diese Chronik reicht lediglich bis zum Jahr 2002. Unser Chronist Dr. Dietrich Thaler arbeitet aber derzeit an der Ausarbeitung der weiterführenden Chronik.
Chronik
Verfasser
| Diese Chronik wurde von unserem Kameraden ZKDT. Wechselberger Helmut zusammengetragen und verfasst. |
