Die Nachkriegszeit

Nach den Kriegsjahren konnte das Vereinsleben der Feuerwehr von Sterzing endlich wieder in geordneten Bahnen verlaufen. Die Auflösung wurde aufgehoben und somit besaß die Wehr wieder denselben Stellenwert, den sie schon vor der Machtübernahme der Faschisten inne hatte. Mit Beendigung des Krieges finden wir bis auf weiteres keine weiblichen Mitglieder mehr in den Reihen der Feuerwehr. Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele Männer aus dem Krieg heimkehrten und auch junge Männer sich für den Dienst bei der Feuerwehr begeistern konnten. Die Mitgliederzahl war nach dem II. Weltkrieg aber keineswegs mehr so hoch wie vorher. In den folgenden Jahren verfügte die Wehr nur mehr über 60 bis 70 Mann.

Nach dem Krieg wurde der Ankauf einer weiteren Motorpumpe unbedingt notwendig. Diese Erweiterung des Geräteparks blieb in den darauffolgenden Jahren nicht die einzige. So galt es doch die Wehr dem technischen Fortschritt im Löschwesen anzupassen. Spenden der Bürger, Gemeinde- und Landesbeiträge ermöglichten, wie schon so oft zuvor, die Modernisierung der Wehr. Es wurden eine dritte Motorpumpe, ein neuer Jeep, neue Uniformen, genormte Helme aber auch Schaum und Trockenlöscher angeschafft. Diese Geräte sollten ein schnelleres und effektiveres Durchgreifen bei Einsätzen ermöglichen und auch eine größere Sicherheit für die Einsatzkräfte garantieren.

Die rechtliche Stellung der Feuerwehren änderte sich 1956 als ein umfassendes regionales Feuerwehrgesetz erlassen wurde. Hierbei wurden zahlreiche Punkte neu bzw. erstmals geregelt. So zum Beispiel die Entschädigungen, die den Wehrmännern zustanden, wenn sie sich während der Einsatztätigkeit verletzten. Auch wurde erstmals ein Bezirksverband gegründet. Diesem Verband gehören alle Wehren des Bezirkes Südliches Wipptal an. Der neue Kommandant Karl Frick wurde zum Bezirksfeuerwehrpräsidenten gewählt. Es war die Aufgabe dieses Verbandes die Interessen des gesamten Bezirkes zu vertreten und die örtlich begrenzte Organisation der einzelnen Wehren zu erweitern.

1958 wurden die Feuerwehrpässe bzw. die Dienstausweise eingeführt. Jeder Feuerwehrmann verfügte nun über eine Bescheinigung, ausgestellt vom Bürgermeister der Gemeinde, dass er Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr von Sterzing war.

Im Jahre 1960 beschloss die Regierung dem Land Südtirol drei Tanklöschfahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Eines dieser drei Brandbekämpfungsfahrzeuge wurde der Feuerwehr von Sterzing anvertraut. Damals entsprach dieses Gefährt den neuesten Erkenntnissen in der Löschtechnik. Das Auto des Typs O. M. Leoncino wurde von der österreichischen Firma Rosenbauer zum Feuerwehrauto ausgebaut. Es verfügte über zwei Neuerungen: einen Wassertank und eine Pumpe für das Hochdruck–Nebel–Verfahren. Um das neue Gerät richtig handhaben zu können musste die Mannschaft an Schulungskursen teilnehmen. Auch sollte hier die Anwendung des neun Hochdruckverfahrens erläutert werden. Hierbei man mit Hilfe von Sprühnebel einen besseren Löscheffekt. Der größte Vorteil dieses Fahrzeuges lag aber darin, dass er über einen Wassertank verfügte. Durch diesen Tank konnte man bereits mit dem Löschverfahren beginnen, noch bevor eine Zubringerleitung vom Hydranten oder vom Fluss gelegt worden war. Dies brachte eine enorme Zeitersparnis und Zeit war knapp, denn die ersten zehn Minuten sind entscheidend, welches Ausmaß das Feuer annehmen wird. Es ist folglich wichtig, das Feuer im Keim zu ersticken, bevor es sich zu einem Großbrand entwickeln kann.

Am 22. Mai 1960 wurde in Sterzing der Bezirks–Feuerwehr–Tag abgehalten. Die Wehr war mit der Organisation der Tagung beauftragt worden. Nach dem gemeinsamen Kirchgang fand die Sitzung der Delegierten, Behörden und Gäste im Hotel Rose statt. Als die Tagung beendet war, hielt der Landesfeuerwehrpräsident eine Ansprache über die Notwendigkeit einer gediegenen Ausbildung der Mannschaft, aber auch der Kameradschaft unter den Mitgliedern. Es ist nicht nur von größter Bedeutung, dass jeder Handgriff sitzt, sondern eben auch das Zusammenspiel der Feuerwehrmänner in einer Gruppe. Nur so könne ein möglichst schnelles und zielführendes Handeln bei Einsätzen gewährleistet werden. Großes Lob sprach der Landesfeuerwehrpräsident bezüglich der Sauberkeit und Ordnung in der Gerätehalle aus. Die Geräte seien in bestem Zustand, was vor allem Gerätewart Franz Siller zu verdanken war. Bei einer Kommandantschaftssitzung 1960 wurde über den Ankauf neuer Geräte diskutiert. Man hatte noch kein Fahrzeug, um die sehr leistungsstarke Aspi – Motorpumpe zu den Einsatzorten zu transportieren. Dies schränkte die Schlagfertigkeit der Wehr stark ein, da der Transport mit Pferden lange dauerte und da mehrere Feuerwehrmänner mit dem Transport beschäftigt waren und keine Rettungs- bzw. Löscharbeiten übernehmen konnten. Weiters diskutierte man auch darüber, die alte Motorpumpe auszutauschen, da die Feuerwehr oftmals auch Auspumparbeiten zu erledigen hat und die herkömmlichen Pumpen nur über eine mäßige Saugleistung verfügten.

Dass die Feuerwehrmänner immer schon sehr religiös waren, wissen wir von der Teilnahme an verschiedensten Prozessionen sowie dem traditionellen Kirchgang bei besonderen Anlässen. Vor allem bei der Florianiprozession danken die Männer ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Florian, für die erfolgreich ausgegangen Einsätze und bitten gleichzeitig aber auch um Schutz und Segen für das folgende Jahr. Bei der „Gelobten Prozession gegen Feuergefahr“ erinnern sich die Feuerwehrmänner stets an den Schwur, den einst ihre Ahnen gelobten. Als Dank bzw. Bitte von Feuerkatastrophen verschont zu bleiben, nehmen die Feuerwehrmänner jährlich an der Prozession teil. In diesem Sinne reiste am 12. Oktober 1960 eine Abordnung des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols nach Rom. Hier hatten sie eine Privataudienz bei Papst Pius XII. Unter den Feuerwehrmännern war auch der Bezirksinspektor von Sterzing, Gilbert Fellin. Der Papst hielt zu diesem Anlass eine Ansprache auf Deutsch.

Reisen tätigte die Wehr aber nicht nur aus religiösen Anlässen. Ein Jahr später vom, 21. bis zum 25. Juni verweilten Vertreter der Sterzinger Wehr, darunter auch Kommandant und Bezirkskommandant Karl Frick, in Bad – Godesberg. Hier fand nämlich die erste Feuerwehrolympiade statt. Aus diesem Anlass waren 29.000 deutsche sowie 2.800 ausländische Feuerwehrmänner angereist. Die Feuerwehrmänner hatten bei Leistungswettbewerben ihr Können unter Beweis zu stellen.Neben Können zählte hier aber auch Teamgeist, Geschick und nicht zuletzt auch Glück, um einen guten Platz erzielen zu können. Diese Olympiade stand im Zeichen des völkerrechtlichen Schutzes. Neben den Wettkämpfen gab es eine internationale Feuerwehrausstellung, eine Großübung sowie eine Rede des damaligen Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer.

Zu einem der schwerwiegendsten Großbrände in Sterzing wurde die Wehr am 16. Mai 1962 gerufen. Hier standen am Untertorplatz zwei Wirtschaftsgebäude in Flammen. Die Besitzer waren Familie Frick und Familie Strickner. Als die Wehr gegen 8.30 am Einsatzort eintraf, standen beide Scheunen im Vollbrand. Es bestand höchste Brandgefahr für den gesamten Stadtteil. Die Nachbarwehren von Thuins, Wiesen, Elzenbaum, Trens, Stilfes sowie Ratschings wurden umgehend angefordert. Die Feuerwehr von Sterzing bekämpfte inzwischen das Feuer. Hier wurde mit Hilfe der 4 Motorpumpen und des Tanklöschfahrzeuges nur noch versucht, die angrenzenden Häuser vor den Flammen zu bewahren. Unterdessen retteten Feuerwehrmänner mit Hilfe der Besitzer das gesamte Vieh sowie Gegenstände im Wert von Lire 500.000 aus dem brennenden Futterhäusern. Allein die Sterzinger Feuerwehr ging mit 4 B - Stahlrohren sowie mit 10 C - Strahlrohren vor. Sobald der Großteil des Feuers gelöscht werden konnte, mussten 30.000 kg Heu überworfen und durchschüttelt werden, um eventuelle Glutnester finden zu können. Für diesen Einsatz benötigte die Feuerwehr 2 Tage. Erst am 18. Mai gegen 6.00 Uhr konnte die Wehr wieder einrücken. Nach diesem Einsatz mussten 7 Sterzinger Feuerwehrmänner im Krankenhaus behandelt werden. Der Aufwand hatte sich dennoch gelohnt. Ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude konnte gänzlich verhindert werden.

Ein Hochwasser außerordentlichen Ausmaßes setzte am 2. September 1965 nicht nur Straßen und Felder sondern auch zahlreiche Keller unter Wasser. Die Feuerwehr unterstützten zahlreiche freiwillige Helfer sowie das Militär. Mehrere Dämme aus Sandsäckenwurden errichtet. Auch wurden die Brücken über den Eisack aufgezogen, damit das Wasser sie nicht mitreißen konnte. Trotz allen Maßnahmen trat der Eisack an mehreren Stellen über die Ufer und setzte zahlreiche Keller unter Wasser. So auch im Parkhotel Stötter oder im Gasthof Sterzinger Moos. Neben den Gebäuden waren auch zahlreiche Felder und Wiesen vom Hochwasser betroffen. Diese hatten sich nämlich in riesige Seen verwandelt.

Betroffenheit machte sich unter den Feuerwehren in ganz Südtirol breit, als 1966 die Nachricht vom Tode des ersten Landesfeuerwehrpräsidenten Josef Mayr bekannt wurde. Er war es, der nach dem Ende des II. Weltkrieges nicht unwesentlich an der Neubildung des Feuerwehrwesens in Südtirol mitgewirkt hatte. Er versuchte die Feuerwehren des Landes nach seinem Idealbild zu prägen und erkannte die Wichtigkeit einer klaren Organisation und Koordination der Wehren. Auch setzte er sich stets für die Modernisierung der Geräte und Schulung der Mitglieder ein.

In der Vergangenheit war die Koordination der Einsatztruppen immer sehr schwierig gewesen. Informationen brauchten ziemlich lange, bis sie vom Ort des Geschehens den Einsatzleiter bzw. Kommandanten erreichten. Der Melder musste über die Lage berichten und dann wiederum die Befehle des Kommandanten an die Mannschaft weiterleiten. Diese Art und Weise der Informationsübermittlung war sehr zeitaufwändig. Abhilfe schafften hier die 1969 erhaltenen Funkgeräte. Diese ermöglichen eine zeitsparende und problemlose Kommunikation unter den Einsatzkräften. Lageberichte an den Kommandanten sowie Befehle an die Mannschaft können so umgehend und ohne Zeitverlust erfolgen. Im selben Jahr wurde von der Feuerwehr Sterzing auch ein zweites Tanklöschfahrzeug in Auftrag gegeben, welches dann 1972 in Sterzing eintraf. Das neue Fahrzeug zählte damals mit seiner technisch hochentwickelten Ausrüstung zu den modernsten Feuerwehrfahrzeugen seiner Zeit. Das Fahrzeug vom Typ OM 50 C verfügt über einen 3.000 Liter Wassertank, neben zahlreichen C und B Schläuchen auch über Hochdruckschläuche, sowie über einen Monitor (= Wasserwerfer) auf dem Dach. Zusätzlich beinhaltet es auch Schaumbehälter, Linienzumischer und Schaumrohre, um Löschschaum erzeugen zu können. Da man brennende Flüssigkeiten in der Regel nicht mit Wasser löschen kann, entwickelte man diese neue Löschverfahren. Hierbei legt man einen Schaumteppich über den Brandherd und entzieht damit dem Feuer den nötigen Sauerstoff. Dieses Löschverfahren gewinnt immer mehr an Bedeutung, da der Kraftverkehr einen stetigen Wachstumstrend verzeichnet. Oftmals gerät bei Verkehrsunfällen der auslaufende Treibstoff in Brand. Aber auch bei verunglückten Transporten von Gefahrengütern trifft die Feuerwehr auf brennbare oder auch auf giftige Chemikalien.

1970 musste der Kommandant Frick Karl aus gesundheitlichen Gründen niederlegen. Daraufhin führte Bacher Karl die Wehr.

Um bei Nachteinsätzen am Ort des Geschehens besser und sicherer tätig werden zu können, wurden nach und nach Lichtaggregate angekauft. Das fehlende Tageslicht konnte dadurch zwar nicht ersetzt gänzlich werden, jedoch erleichterte es die Arbeit der Feuerwehrmänner ungemein. Ein weiterer Fortschritt war die Erweiterung des Funknetzes. Durch eine neue Relais – Station auf der Plose, war der Funkverkehr mit den Feuerwehren von ganz Südtirol möglich. Eine Schulung bei den Funklehrgängen an der Landesfeuerwehrschule in Innsbruck sowie zahlreiche Übungen waren aber unerlässlich, um mit dem Gerät richtig umgehen zu können.

 

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