Die Jahre des Faschismus

Hatte die Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehr Sterzing unter dem I. Weltkrieg stark gelitten, (genaue Zahlen sind leider nicht bekannt), so erholte sich die Zahl der Mitglieder in den darauffolgenden Jahren recht bald. Waren es 1919 noch 126 aktive Mitglieder, war die Zahl 1920 bereits auf 157 Mitglieder wieder angestiegen und somit konnte das Leben der Feuerwehr bis auf weiteres wieder seinen gewohnten Lauf nehmen.

Doch die Freude der Feuerwehr währte nicht lange. Zwei Jahre später im Jahre 1925 traf die Wehr ein harter Schicksalsschlag. Die Südtirol-feindliche faschistische Politik, die alles Deutschtum verbieten wollte, machte auch vor den Vereinen nicht halt. Durch eine Verfügung der Präfektur wurde die Feuerwehr von Sterzing aufgelöst. An ihre Stelle sollte eine Berufsfeuerwehr treten. Die Einführung einer Berufsfeuerwehr in Sterzing verzögerte sich jedoch bis zum Jahr 1939 und so blieb „un corpo provvisorio di pompieri, nominato dal comune in attesa di definitivo“ bestehen. Diese Mannschaft war jedoch nur 48 Mann stark und geleitet wurde sie von Kaspar Thaler. Aufgrund dieser provisorischen Einsatztruppe, hatten auch die restlichen Feuerwehrmänner Zugang zu den Geräten und auch sie beteiligten sich bei der Hilfeleistung in Notsituationen.

1926 trat Franz Pramstraller als aktives Mitglied in die Feuerwehr ein. Er sollte im Laufe der Zeit, den Verein durch seinen Einsatz und Tatkraft stark prägen.

Neben dem Feuer machte auch das Wasser den Sterzingern das Leben schwer. Auch hier sah die Feuerwehr nicht tatenlos zu und stand der Bevölkerung zur Seite, als im Herbst 1927 der Eisack über die Ufer trat. Zum Schutze der Stadt und deren Bewohner wurden unverzüglich mit Hilfe von zahlreichen freiwilligen Helfern Dämme aus Sandsäcken errichtet. Weiters wurde die Brücke, die nach Wiesen führt hochgetrieben, damit nicht Baumstämme, welche das Wasser mitführte, stecken bleiben und den Weiterfluss des Wassers verhindern.

Diese Gefahr der Stauungen bestand jedoch nicht nur bei Brücken sondern auch an anderen Stellen. Deshalb war es weiters Pflicht der Feuerwehr stets das Bachbett zu kontrollieren. Zwei Jahre später führten entfesselte Naturgewalten wiederum zu einer ähnlich bedrohlichen Situation, welche aber abgewendet werden konnte.

Zu zwei Großbränden an einem Tag wurde die Sterzinger Feuerwehr am 3. Dezember 1929 gerufen. Gegen zwei Uhr Nachmittag stand das Wirtschaftsgebäude des Deutschordenshauses in Flammen. Da im zweiten Teil des Hauses das Krankenhaus untergebracht war, bestand für zahlreiche Menschen akute Gefahr. Das Feuer drohte vor allem auf das durch Schindeln gedeckte Dach überzugreifen. Dies konnte jedoch von der Wehr, die im Laufschritt mit all ihren Geräten angerückt war, verhindert werden. Weiters konnte auch die angrenzende Kapelle vor den Flammen gerettet werden.

Am selben Tag um 19 Uhr wurde der March - Stadel in der Ralsergasse ein Raub der Flammen. Aufgrund der Holzkonstruktion konnten mit Hilfe der Nachbarwehren nur noch die angrenzenden Häuser geschützt werden. Die Löscharbeiten zogen sich bis in die Morgenstunden des darauffolgenden Tages hinein.

Bei diesen beiden Einsätzen hatte sich gezeigt, dass die herkömmliche Kolbenpumpe, die mit Muskelkraft betrieben wurde, nicht genug Löschwasser fördern konnte. Es wurde daher nach eingehenden Beratungen beschlossen eine Motorpumpe anzukaufen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Tatsache, dass 80 Prozent der Dächer von Sterzing aus Holz bestanden. Im Katastrophenfall konnte man mit der alten Pumpe wenig ausrichten. So erhielt die Sterzinger Wehr 1930 als erste im oberen Eisacktal eine Motorpumpe. Hergestellt wurde diese Pumpe von Fiat.

Nachdem man nun über eine leistungsfähige Pumpe verfügte, machte man sich immer mehr Gedanken über eine schnelle Beförderung dieser Pumpe und auch der Mannschaft, vor allem, wenn sich der Einsatzort außerhalb von Sterzing befand. Als Lösung bot sich natürlich der Kauf eines motorbetriebenen Fahrzeuges an, doch finanzielle Probleme standen diesem Plan im Wege. Man versuchte eine möglichst billige, jedoch nicht qualitativ minderwertige Lösung für dieses Problem zu finden. So kaufte schließlich der Kommissionär Karl Thaler 1930 aus zweiter Hand um Lire 1.200 ein Auto. Dieses Fahrzeug entsprach aber noch keineswegs den Anforderungen eines Feuerwehrautos. Es war eine Menge Arbeit nötig, um dieses Gefährt in ein Feuerwehrfahrzeug umzubauen. Im Garten des Hotels „Alte Post“ wurden vom alten Mannschaftswagen mit Pferdebespannung die Sitzbänke abmontiert und auf das Auto aufgebaut. Diese Umbauarbeiten verrichteten die Wehrmänner selbst. Franz Pramstraller, der durch ein halbes Jahrhundert die technische Entwicklung der Wehr wesentlich geprägt hat, leitete diese Aktion.

Am 27. Juli 1934 wurde die Wehr zu einem besonders gefährlichen Einsatz gerufen. In der sog. Steinsäge war in zwei Lagerräumen ein Feuer ausgebrochen. Hier hatte das Militär Munition und Benzinfässer gelagert. Die Einsatzkräfte mussten bei den Löscharbeiten äußerst vorsichtig vorgehen, da immer wieder Infanterie–Munition explodierte. Gerettet werden konnte das Gebäude jedoch nicht mehr, da plötzlich der gesamte explosive Inhalt mitsamt dem Gebäude detonierte. Positiv zu bemerken war, dass keine einzige Person verletzt oder gar getötet wurde.

Welche Auswirkungen der starke Wind auf ein Feuer haben kann, bekamen nicht nur die Feuerwehren von Sterzing und Umgebung sondern auch die Bevölkerung zu spüren. Am 19. Jänner 1935 brannte am linken Ufer des Eisackes das Haus der Heidenschaft. An diesem Tag fegte ein besonders starker Nordwind durch Sterzing. Sofort rückte die Wehr mit ihrer Motorpumpe an und begann mit den Löscharbeiten. Der Wind jedoch trug Funken und kleine brennende Holzstücke durch die Luft, über den Eisack und in die Stadt hinein. Schon bald überschlugen sich die Feuermeldungen in Sterzing. In kürzester Zeit brannte es beim Hotel Rose, beim Stifter, beim Girtler, im Rathaus, beim Seidnerstadl, beim Vitoler und so fort. Überall hatte das Flugfeuer die aus Schindeln bestehenden Dächer in Brand gesteckt. Die Feuerwehr von Sterzing, die mit dieser Situation überfordert war, wurde nicht nur von den Feuerwehren aus Thuins sowie Wiesen unterstützt, sondern auch die Bewohner der Stadt standen mit Eimern voll Wasser auf ihren Dächern. Es wurde nicht nur gelöscht, sondern es wurde auch versucht dem Flugfeuer, durch benetzen der Dächer, keine Chance zum Ausbreiten zu geben. Dies gelang aber bei weitem nicht immer und so fing immer wieder ein Dach Feuer. Auf einigen Dächern brannte es an einem Tag sogar bis zu sechs mal. Wäre dieses Feuer nicht bei Tag sondern bei Nacht ausgebrochen, so ist davon auszugehen, dass die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegen wäre. So ist „nur“ das Haus der Heidenschaft sowie eine angrenzende Scheune gänzlich ein Raub der Flammen geworden. Die meisten Dächer hatten nur kleinere Schäden davongetragen.

Die Bewohner der Stadt, sowie die Feuerwehrleute konnten kaum glauben, was am 20. Jänner 1936 geschah. Die Freiwillige Feuerwehr Sterzing wurde von Amts wegen aufgelöst. Der Idealismus, aber auch die Sturheit so mancher Sterzinger war jedoch nicht zu bremsen und so lebte der Verein inoffiziell weiter. Vor allem, da die Berufsfeuerwehr der Faschisten erst 1939 ihren Dienst antrat, leisteten die Wehrmänner weiterhin Hilfe. So auch im Jahre 1938 als in Flains die Kirche sowie zwei Bauernhöfe im Vollbrand standen. Hier rückte die Wehr mit ihrem Feuerwehrauto sowie mit der Motorspritze an.

Eine Neuerung in Bezug auf die Alarmierung der Feuerwehr gab es am 1. Dezember 1939. Es wurde eine Sirene am Zwölferturm vom E - Werk montiert und in Betrieb genommen. Um diese Anschaffung aus finanzieller Sicht tätigen zu können, wurden von der Wehr Bälle, Waldfeste und andere Veranstaltungen organisiert.

1939 trat in Sterzing die Berufsfeuerwehr ihren Dienst an. Die Wehr stand unter dem Kommando von Josef Gartner und später von Hans Vetter. Stationiert war die Berufsfeuerwehr im selben Gebäude wie die Freiwillige Feuerwehr. Die Berufsfeuerwehr bestand nur aus ca. 6 Mann. Diese waren Italiener und Deutsche. Die Freiwillige- sowie die Berufsfeuerwehr hatten ihre eigenen Geräte und Uniformen und rückten bei Einsätzen getrennt voneinander aus. Probleme mit den Gesetzeshütern bekamen die freiwilligen Feuerwehrmänner nie, obwohl die Freiwillige Feuerwehr von Sterzing von Amts wegen aufgelöst war, da man froh war, dass Hilfe geleistet wurde. Auch verloren die Italiener ihre Skepsis gegenüber der Feuerwehr, da sie begriffen, dass es sich bei der Feuerwehr um keine militärische Organisation handelte. Zu Kriegszeiten versuchten viele Männer Mitglied bei der Berufsfeuerwehr zu werden, da sie somit vom Kriegsdienst befreit wurden.

Auch während des II. Weltkrieges mussten zahlreiche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr von Sterzing in den Krieg einrücken. Diese Zahl steht aber in keinem Vergleich zu jener des I. Weltkrieges. Im Jahr 1942 litt die Wehr unter so starkem Mitgliedermangel, dass nun auch Frauen die harte Arbeit des Feuerwehrmannes übernehmen mussten. Zu dieser Zeit bekam die Feuerwehr noch eine weitere Aufgabe zugewiesen. Sie musste nun auch bei Fällen von feindlichen Bombardements Luftschutz- bzw. Lösch- und Rettungsarbeiten übernehmen. Hans Vetter, der Stadtluftschutzkommandant, bildete die Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren aus. Zur persönlichen Ausrüstung während des Krieges gehörten eine Uniform, ein Helm und ein Löschkarren voll mit erforderlichem Einsatzmaterial. Im Luftschutzeinsatz wurden während des Krieges ca. 2.000 Tagesstunden und 1.200 Nachtstunden geleistet.

 

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