Die frühen Jahre der Feuerwehr Sterzing

Die sogenannte Feuertaufe musste die junge Feuerwehr im Jahre 1880 bestehen. Im nahe gelegenen Dorf Elzenbaum war im Wirtschaftsgebäude der Familie Plattner ein Feuer ausgebrochen. Mittels Pferden wurde die Spritze auf schnellstmöglichem Weg zum Einsatzort gebracht und in Funktion gesetzt, um mit der Brandbekämpfung zu beginnen. Durch Geschick und Können konnte hier der Schaden erheblich eingegrenzt werden.

Am fünften April 1881 legte ein Feuer in Sterzing das Haus des Gerbermeisters Geyer in Schutt und Asche. Vermutliche Brandursache waren zündelnde Kinder. Die Feuerwehr konnte nur noch ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Häuser verhindern. Auf Grund dieses Vorfalls reagierte die Stadtverwaltung mit energischen Maßnahmen. Es wurde das Amt einer Feuerpolizei errichtet. Weiters wurden die Sicherheitsmaßnahmen bezüglich Feuergefahr verschärft. Unter anderem mußten die Wasserbottiche, die in den Dachräumen der Häuser untergebracht waren, ständig gefüllt sein, um stets über genügend Löschwasser verfügen zu können.

Im Jahre 1893 konnte die Freiwillige Feuerwehr Sterzing eine Rekordzahl von 226 aktiven Mitgliedern verbuchen. Ein Grund für so viele Mitglieder war wohl jener, dass es damals noch keine Altersgrenze gab. Auch zeugt dies von der großen Beliebtheit, welche sich die Feuerwehr in Sterzing stets erfreute. So wurde ihr das „Banner des Liederkranzes“ eine Ehrung eines alten Kultur und Gesangsvereins übergeben.

Neben dem aktiven Dienst an der Bevölkerung war die Feuerwehr auch in sonstiger Weise tätig. Sie organisierte verschiedene Bälle, Feuerwehrkränzchen, Glückstöpfe, Ausflüge sowie Konzerte, bei denen die Feuerwehrmusikkapelle selbst Stücke zum Besten gab. Diese Aufgaben übernahm die Feuerwehr nicht nur, um den kulturellen Bereich zu fördern, sondern auch um durch die Einnahmen Geld für den Verein aufbringen zu können, denn finanzielle Sorgen begleiteten die Feuerwehr Sterzing schon seit ihrer Geburtsstunde. Viele Bürger unterstützten die Wehr durch die Vergabe zinsfreier Darlehen oder durch Spenden. Die schon seit langem bestehende „Dilettanten – Theatergesellschaft“ führte über mehrere Jahre zu Gunsten der Florianijünger jährlich 2 Theaterstücke auf. Später wurde sogar eine eigene Feuerwehr–Theatergesellschaft gegründet, welche später aber leider wieder in Vergessenheit geriet.

Im Jahre 1894 wählt die Generalversammlung, welche sich aus allen aktiven Mitgliedern zusammensetzt, Jakob Stifter zu ihrem neuen Kommandanten. Stifter war seit 1886 Kommandant – Stellvertreter. Zu seiner Zeit beim Militär war er Zugsführer gewesen und brachte nun soldatisches Leben in die Feuerwehr. Sein Ehrgeiz sowie seine Liebe zur Feuerwehr sollten schon bald dem Verein zu höchstem Ansehen verhelfen. Aufgrund der Bemühungen von Stifter wurde der Feuerwehr nun jährlich eine finanzielle Unterstützung von der Stadtverwaltung zuerkannt. Weiters brachte auch die Theatergesellschaft ein beträchtliches Kapital ein. Doch nicht zuletzt waren es auch die großzügigen Spenden der Bevölkerung, welche eine Modernisierung der Wehr ermöglichten. Hierbei wurde der Kauf von neuen Gerätschaften veranlasst. Darunter waren neue Schläuche, neue Uniformen, eine Balanceleiter sowie eine Landfahrspritze mit Pferdebespannung. Durch diese neue Spritze konnte die Feuerwehr schneller an Ort und Stelle sein. Auch war die Löschleistung bedeutend höher. Dies wirkte sich natürlich auf die Zufriedenheit der Bevölkerung aus. Von Seiten der Öffentlichkeit wurde der Wehr immer wieder Lob ausgesprochen. Die Menschen waren mit den Leistungen voll und ganz zufrieden.

Bereits am Morgen marschierte die Jubelwehr in Begleitung der Musikkapelle Sterzing durch die Stadt. Die Hauptstraße glich einer Via triumphalis. Zahlreiche Häuser waren beflaggt und mit Feuerwehrornamenten geschmückt. Die Menschen in den Häusern warfen Blumen auf die vorbeiziehende Wehr. Auf den Straßen bejubelte eine Menschenmasse die Florianijünger. Im Gasthaus Rose fand dann ein kleiner Frühschoppen statt. Um 11 Uhr gratulierten Bürgermeister Gschwenter sowie Gauverbandsleiter Hummel aus Innsbruck der Wehr. Nach dem Verköstigung im Hotel Schwarzen Adler versammelte sich die Mannschaft am Stadtplatz und es wurde 18 Mitgliedern, die schon seit der Gründung dem Verein angehörten eine Silbermedaille verliehen. Den Abschluss bildete eine Schauübung in der Neustadt, bei welcher ein Brand des Gasthofes Alte Post angenommen wurde.

Im Jahre 1903 wird Jakob Stifter abermals zum Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr von Sterzing gewählt. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Wehr 133 Mitglieder. Da das Spritzenhaus neben der Spitalskirche für die wachsende Wehr nicht mehr genügend Platz bot und man erkannte, dass das alte Gebäude den Anforderungen nicht mehr entsprach, suchte man nach einer neuen Unterkunft für die Feuerwehrmänner

und ihre Geräte. Der Sterzinger Apotheker Oswald Kofler stellte einen Teil seines Grundes am Stadtplatz unentgeltlich zur Verfügung, um darauf ein neues Spritzenhaus zu errichten. Nach Abschluss der Bautätigkeit konnte die Gerätehalle schließlich am 23. Juni 1907 eingeweiht werden.

1908 wurden immer neue Forderungen laut, dass die Wehr neben ihrer bereits vorhandenen Leiter noch eine zusätzliche Schubleiter benötige, um die Menschenrettung bzw. Feuerbekämpfung mit größerem Erfolg durchführen zu können. Aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel wurden Verhandlungen in Gang gebracht, welche es ermöglichten, dass die Leiter der Marke Magirus bestellt und bald darauf eingesetzt werden konnte. Die Leiter wurde mittels Pferdegespann zum Einsatzort gebracht. Nach der Ankunft konnte diese in relativ kurzer Zeit, jedoch mit einem erheblichen Kraftaufwand auf eine Höhe von circa 18 Metern ausgefahren werden.

Im selben Jahre feiert Kaiser Franz Josef sein 60–jähriges Regierungsjubiläum. Zu diesem Anlasse gratuliert die Feuerwehr mittels eines Briefes und erhält als Danksagung ein Telegramm vom Kaiser.

1909 zählte die Wehr 156 Mitglieder. Ein Jahr später gibt es in Sterzing eine große Neuerung. Es wurde ein Wasserverteilungsnetz errichtet und nun musste das Löschwasser nicht mehr aus dem Eisack entnommen werden. Hydranten stellten ab jetzt einen Teil des Löschwassers zur Verfügung. Weiters führte der Landesverbandsausschuss im selben Jahr die Pflicht ein, Einsatzberichte zu verfassen, um die Tätigkeiten der Feuerwehren kontrollieren zu können. Jeder Kommandant sollte das Geschehene kurz schildern und den Bericht dann an den Landesverband abschicken. Dieser verfasste dann Mitteilungen, die an die Wehrmänner gerichtet waren. Alle Feuerwehrmänner wurden ersucht diese Mitteilungen zu lesen und ernst zu nehmen, da diese Kritiken, Verbesserungsvorschläge aber auch Lob enthielten.

Die Jahre 1911 und 1912 waren zwei besonders anstrengendes Jahre für die Wehr. So wüteten in Sterzing und Umgebung gleich mehrere Großbrände. In Pflersch unterstütze die Sterzinger Feuerwehr Löscharbeiten bei einem Waldbrand, dem mehrere Objekte zum Opfer fielen. Auch in Wiesen kam es zu einem folgenschweren Waldbrand. Nach Mittewald musste die Feuerwehr, da hier eine Kartonfabrik in Flammen aufging. Ebenso erging es einer Scheune oberhalb des Bahnhofes. Hier fielen Heu und Roggen dem Feuer zum Opfer. In diesem Jahr musste auch der ehrwürdige Kommandant Jakob Stifter seinen aktiven Wehrdienst aus gesundheitlichen Gründen beenden. Ihm wurde für seine Verdienste die höchste aller Auszeichnungen verliehen; er wurde Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Sterzing. Der neue Kommandant der Wehr hieß Kaspar Thaler.

Ein ganz besonderes Ereignis war wohl, als im Jahre 1913 eine Landfahrspritze angekauft wurde. Die Spritze konnte genauso wie die Schubleiter mit Hilfe von Pferdebespannung bewegt werden. Sie war eigens dafür konstruiert worden, da sie 2.180 Kilo wog. Erstaunlich für die damalige Zeit war die Länge der Saugleitung. Diese betrug 6 Meter. Auch heute noch haben die Saugleitungen in etwa diese Länge, da bei zusätzlicher Länge die Pumpen nicht mehr in der Lage sind genügend Wasser anzusaugen. Betrieben wurde diese Spritze durch die Muskelkraft von zwölf Männern. Am Strahlrohr wurde dadurch ein Druck von 8 atü erzeugt.

Bereits 1914 machte man sich Gedanken über das 40-jährige Bestandsjubiläum. Die Bevölkerung wurde mit Flugblättern dazu aufgerufen, Spenden zu leisten. Auch ein Glückstopf wurde organisiert. Mit dem Geld wollte die Feuerwehr ihre gesamten Geräte auf Vordermann bringen, um den zahlreichen Gästen, welche auch zu verköstigen waren, ein würdiges Bild ihrer Wehr zu bieten. Der Ausbruch des I. Weltkrieges machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung, denn wir finden keine Hinweise, dass dieses Jubiläumsfest jemals stattfinden konnte.

Obwohl Stifter den Platz des Kommandanten räumen musste, gehörte er noch lange nicht zum alten Eisen. Stifter wurde zum Vize – Bürgermeister und später zum Bürgermeister ernannt. Auch gründete er mit 30 Feuerwehrmännern kurz nach Ausbruch des I. Weltkrieges eine „Rettungsgesellschaft vom Roten Kreuz“. Diese Rettungsgesellschaft hatte die Aufgabe zu patrouillieren und gegebenenfalls einzuschreiten, wenn Feuer oder Wasser die Stadt bedrohte. Weiters war sie auch für die Verpflegung und Einquartierung der militärischen Truppen zuständig. Das Feuerwehrwesen bekam den Krieg jedoch nicht nur auf diese Weise zu spüren. Zahlreiche Mitglieder mussten einrücken, so dass sich die Zahl der Florianijunger in Sterzing und auch in anderen Orten des Landes erheblich verminderte. Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass besonders wenige Aufzeichnungen über die Zeit des I. Weltkrieges gemacht wurden. Denn die stark reduzierte Mannschaft war nun um so mehr bei ihrer Pflichterfüllung gefordert. Eines ließen sich aber die stark gläubigen Feuerwehrmänner nicht nehmen. Jedes Jahr marschierten sie bei der Fronleichnams- Floriani- und Margarethenprozession mit. Dies zeugt von einer starken Gottverbundenheit, auf die wir auch heute noch treffen. So lautet das Motto der Feuerwehren nicht umsonst: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

Die Feuerwehr musste zur Zeit des Krieges ihre Hauptübungen unter Militärassistenz abhalten. Obwohl sich eine starke Autorität des Militärs bemerkbar machte, ist hervorzuheben, dass die Feuerwehr niemals militärischen Charakter annahm.

 

weiter...