Vorgeschichte und Gründung
Schon seit jeher bestand in Sterzing und in den umliegenden Dörfern eine große Feuergefahr. Vor allem die übliche Reihenbauweise, welche in den Städten aus Platzmangel unausweichlich war, bot für das Feuer reichlich Gelegenheit um sich auf die umliegenden Häuser auszubreiten. Weiters waren die Gebäude, vor allem aber die Dächer, zum Großteil aus Holz gefertigt, welches für ein Feuer reichlich Nahrung darstellte. Ein Übergreifen der Flammen auf die gesamte Stadt wäre bei ungünstigen Wind und Wetterverhältnissen durchaus denkbar gewesen. Dazumal war es auch noch teilweise üblich offene Feuerstellen in den Häusern zu haben. Einrichtungsgegenstände sowie Fußboden oder anderes vorhandenes Material, wie zum Beispiel Kleidung oder Decken waren vor eventuellem Funkenflug ungeschützt.
Auf Grund dieser zahlreichen Risikofaktoren durfte kein offenes Feuer in den Häusern unbewacht bleiben. Weiters bestand die Pflicht jedes Anzeichen von einem aufkeimenden Brand sofort zu melden. Zuwiderhandlungen wurden mit empfindlichen Geldbußen bestraft. Des Nachts kontrollierten elf Wächter die Stadt, indem sie von Haus zu Haus zogen. Auch hielt ein Wächter auf dem Zwölferturm unentwegt Ausschau nach Anzeichen eines Brandes. Trotz all dieser Sicherheitsvorkehrungen brachen immer wieder verheerende Brände in und um Sterzing aus. So zum Beispiel in der Nacht vom 7. auf den 8. Februar 1865. Hier äscherte ein Brand in Sterzing, der von der Scheune des Sonnenwirtes ausging, 14 Häuser mit 17 Ökonomiegebäuden ein. Am 3. Oktober 1867 fiel sogar der Zwölferturm den Flammen zum Opfer. Ein Feuer, das vom Hirschenwirt auf das angrenzende Stötterhaus übergriff, setzte daraufhin den oberen hölzernen Teil des Turmes in Brand.
Gefahr drohte der Bevölkerung jedoch nicht nur durch das Feuer, sondern auch durch das gefährliche Anschwellen der Bäche, nach ergiebigen Niederschlägen. So war und ist die Wassergefahr in Sterzing stets präsent. Schon damals begann man mit der Errichtung von Schutzdämmen gegen das Wasser, doch auch heute noch ist man den entfesselten Naturgewalten nicht immer gewachsen.
Um gegen solche Gefahren in Zukunft besser gerüstet zu sein, entschloss man sich im Jahre 1875 eine Freiwillige Feuerwehr in Sterzing zu gründen. Dies sollte die 18. Feuerwehr in ganz Deutschtirol werden.
Nach einer Reihe von Vorbereitungen für die Gründung konnte schließlich am 5. September 1875 unter ungeheurer Begeisterung der Bevölkerung das Gründungsfest stattfinden. Die Feuerwehr hatte zu dieser Zeit den höchsten Zulauf unter den Vereinen und konnte bei ihrer Gründung 90 Mitglieder verzeichnen. Der erste Kommandant hieß Michael Kelderer. Das Spritzenhaus befand sich anfangs im Gemeindemagazin neben der Spitalskirche beziehungsweise Heilig Geist Kirche am Stadtplatz. Neben einer Abprotzspritze wurde verschiedenes Lösch- und Bergegerät angekauft.
Die Feuerwehr hatte die Aufgabe schnell diszipliniert und zielorientiert einzugreifen. Bisher hatte es bei Feuerausbruch stets ein großes Durcheinander gegeben. Alle versuchten zu helfen, doch niemand hatte das nötige Gerät, um effektiv Hilfe zu leisten. Weiters gab es keine Koordination in den Handlungen.
Die Mannschaft der Feuerwehr war in drei Abteilungen unterteilt. Die „Steiger“ oder auch „Retter“ genannt hatten die Aufgabe mittels Leitern den in Not geratenen zu Hilfe zu kommen und sich an den Löscharbeiten zu beteiligen. Die Schlauchmannschaft sollte die Wasserversorgung gewährleisten. Die Spritzenmannschaft hingegen sollte die Spritze bedienen und die Löscharbeiten übernehmen.
Die Alarmierung erfolgte damals durch die Hornisten. Einer von ihnen blies aus den Fenstern des Zwölferturms in alle vier Himmelsrichtungen das Signal des Feueralarms. Andere Hornisten fuhren in der Zwischenzeit auf ihren Fahrrädern durch die Stadt und bliesen in ihr Horn. Die Mannschaft hatte daraufhin unverzüglich im Spritzenhaus zu erscheinen. Damit es der Turmwächter nicht verschlafen konnte, gab es eine eigens angefertigte Uhr, die er jede Viertelstunde aufziehen musste.
Schulungen und Übungen wurden schon damals sehr groß geschrieben. In 6 bis 12 Übungen pro Jahr sollte der richtige Umgang mit dem Gerät geübt werden. Im Ernstfall musste jeder Handgriff sitzen, um schnell und wirkungsvoll eingreifen zu können. Bereits während der Gründungsfeierlichkeiten hielt der Kommandant Melzer der Innsbrucker Feuerwehr einen Fachvortrag bezüglich des Löschwesens. Am nächsten Morgen folgte eine Schulübung mit der Abprotzspritze, sowie eine Steigerübung. So mancher Skeptiker konnte hier von den Leistungen der Feuerwehr überzeugt werden, als die Wassersäule die Höhe des Zwölferturms überragte. Überdies wurden wenig später zahlreiche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Sterzing nach Hall zu Schulungskursen geschickt.
Die Rechte und Pflichten der Feuerwehrmänner von Sterzing waren von Anfang an durch 15 Paragraphen der Statuten der Feuerwehr Sterzing, sowie einer Dienstordnung geregelt. §1 der Statuten besagte: Der Zweck der freiwilligen Feuerwehr in Sterzing ist ein geordnetes Zusammenwirken um Leben und Eigentum der Stadtbewohner zu schützen.Von großer Wichtigkeit ist die Tatsache, dass der Dienst am Nächsten auf freiwilliger Basis und unentgeltlich erfolgt. Der Verein wurde durch die Generalversammlung, den Feuerwehrausschuss und den Feuerwehrhauptmann geleitet. Die wichtigsten Aufgaben des Hauptmannes bestanden darin, bei Bränden oder auch Übungen das Oberkommando zu führen. Er hatte den Vorsitz bei allen General- und Ausschussversammlungen. Bei Abwesenheit des Hauptmannes war sein Stellvertreter dazu ermächtigt all diese Funktionen auszuführen. Den drei Abteilungen, Steiger, Spritzen – und Schlauchmannschaft stand der jeweilige Obmann vor. Die Obmänner gaben Befehle und Anweisungen des Kommandanten an ihre Abteilung weiter. Der Zeugwart hatte die Aufgabe die Geräte stets auf ihre Funktionstüchtigkeit hin zu kontrollieren und sie gegebenenfalls zu reparieren. Aufgenommen wurde jeder, der einen guten Ruf hatte, sich über die Statuten in Kenntnis gesetzt hatte und sich verpflichtete einen geringen Jahresbeitrag zu leisten.
Chronik
Verfasser
| Diese Chronik wurde von unserem Kameraden ZKDT. Wechselberger Helmut zusammengetragen und verfasst. |
